Typisch Berlin! Genau wie ihre Bewohner_innen hat auch die Verwaltung der Hauptstadt die eine oder andere Eigenart entwickelt. Doch leider haben die Irrungen und Wirrungen der Behördenwelt echte Konsequenzen – für die Lebensqualität der Berliner_innen, für die hier ansässige Wirtschaft, für alle Akteure der Stadtgesellschaft. Hier fassen wir die gravierendsten Missstände zusammen.

Sie haben auch Ihre Erfahrungen mit der Berliner Verwaltung gemacht? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte! Zum Notstandsmelder…

Technik-Zoo

Digitalisierung muss sein. Leider sprachen sich die Bezirke bei der Anschaffung von IT-Ausstattung nicht miteinander ab. Heraus kamen zig miteinander nicht kompatible Lösungen. Die zuständige Staatssekretärin spricht von einem „Technik-Zoo“.

Konkurrenz um Personal

Bei Jobmessen werben die Bezirke oft an separaten Ständen um Bewerber_innen. Und verhindern so, dass Berlin bei den Jobsuchenden als einheitliche Marke wahrgenommen wird.

Gastro-Chaos

Gaststätten beklagen, dass in jedem Bezirk unterschiedliche Regeln für die Außenbewirtung gelten. Was auf der Terrasse stehen darf, ändert sich von einer Straße zur nächsten.

Stau in den Zulassungsstellen

Über sechs Wochen. So lange mussten manche Autohäuser zuletzt warten, um verkaufte Neuwagen anzumelden. Das kostete Geld, Zeit und brachte verärgerte Kund_innen. Die Wartezeiten wurden teilweise reduziert, doch sind die Strukturen nach wie vor nicht zukunftsreif.

Ewige Wartezeiten

Ein Termin im Bürgeramt innerhalb von 14 Tagen – dieses Ziel hatte sich die rot-rot-grüne Koalition gesetzt. Trotzdem wartete man in Charlottenburg-Wilmersdorf im Mai 2018 im Schnitt 35 Tage um dranzukommen. Der zuständige Stadtrat zum Ziel des Senats: „von vornherein unrealistisch“. So ist der nächste Stau im Bürgeramt nur eine Frage der Zeit.

Machtlose Bürgermeister_innen

Eigenmächtig einen Punkt auf die Tagesordnung setzen? Nicht einmal das kann ein Bezirksbürgermeister bei Amtssitzungen. Schließlich sind alle Bezirksamts-Mitglieder gleichberechtigt. Eine klare Regierungslinie geht bei so viel Kompetenzgerangel verloren.

Bürokratie-Ping-Pong

Weil sich Senat, Bezirksamt und Arbeitsgruppen in 18 Verfahrensschritten einig werden müssen, dauert die Einrichtung eines Zebrastreifens in der Regel drei Jahre.

Doppelstrukturen

Ein vom Bezirk bereits verabschiedeter Bebauungsplan wird anschließend nochmal vom Senat geprüft. Auch wenn dieser in den seltensten Fällen etwas zu beanstanden hat. Das Inkrafttreten des Plans wird dadurch oft um ein halbes Jahr verzögert.

Mehr Menschen, weniger Baugenehmigungen

Obwohl Berlin bis 2030 mit rund 180.000 Zuziehenden rechnet, sank 2017 und 2018 die Zahl der von der Verwaltung genehmigten Wohnungen.

Personallücken

Über 3.500 Stellen sind in der Berliner Verwaltung nicht besetzt.

Hohes Durchschnittsalter

Während die Berliner Bevölkerung bis 2025 um fünf Prozent wachsen soll, gehen im selben Zeitraum rund 28,5 Prozent der Verwaltungsbeschäftigten in den Ruhestand.

Lange Besetzungsverfahren

Neun bis zwölf Monate dauerte 2016 die Besetzung einer Stelle. Hier wurden – in einigen Bezirken – Fortschritte gemacht, doch bleibt eine Stelle im Schnitt immer noch drei bis fünf Monate unbesetzt.

Uneinheitliche Bezahlung

Der Gehaltsunterschied zwischen Bezirk und Land kann mehrere hundert Euro betragen.

Starre Laufbahnen

Befördert wird nicht, wer gute Leistung bringt, sondern wer die vorgeschriebenen Laufbahnstationen durchlaufen hat.

Weniger Geld

Beschäftigte der Berliner Verwaltung werden schlechter bezahlt als ihre Kolleg_innen in Bund und Ländern. Erst bis 2021 soll die Lücke von 4,3 Prozent geschlossen werden.


Notstandsmelder

Wo sind Sie von der unzulänglichen Berliner Verwaltung betroffen? Was läuft ihrer Meinung nach schief und wo läuft es besser? Gibt es schon Bereiche in denen die Verwaltung Fortschritte gemacht hat? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen.


Sofortmaßnahmen

Prozesse, Strukturen, Personal – in drei Schritten zur guten Verwaltung.

 

Die Kampagne

Warum gerade jetzt eine Kampagne für bessere Verwaltung?